Hinter dem Begriff steckt ein einfaches Modell: Eine Betreuungskraft zieht in den Haushalt eines pflegebedürftigen Menschen und unterstützt ihn im Alltag. Der Name führt allerdings in die Irre: Niemand arbeitet 24 Stunden am Stück. Gemeint ist, dass jemand im Haus ist, wenn Hilfe gebraucht wird. In diesem Ratgeber erklären wir, wie das Modell funktioniert, was Ihre Wohnung dafür braucht und worauf Sie rechtlich achten müssen.
Streng genommen handelt es sich um Betreuung, nicht um Pflege im medizinischen Sinn. Die meisten Betreuungskräfte kommen aus Osteuropa und haben Erfahrung in der Seniorenbetreuung, aber keine Zulassung als Pflegefachkraft in Deutschland. Sie wechseln sich in der Regel nach etwa zwei Monaten mit einer zweiten Kraft ab, damit die Betreuung ohne Lücke weiterläuft. Einzelne Kräfte bleiben auch bis zu sechs Monate. Medizinische Aufgaben wie Injektionen oder Verbandswechsel übernimmt deshalb ein ambulanter Pflegedienst, der ergänzend ins Haus kommt.
Was die Betreuungskraft konkret übernimmt, wird vorher festgelegt. Üblich sind drei Bereiche:
Eine ausführliche Liste finden Sie unter Leistungsübersicht für die Betreuung zu Hause. Für Menschen mit Demenz gelten besondere Anforderungen, die wir auf der Seite zur häuslichen Demenzpflege beschreiben.
Auch für die Betreuungskraft gelten Arbeitszeitregeln. Der Vertrag legt fest, welche Aufgaben in welchem Zeitrahmen anfallen, und regelt Arbeitszeiten, Pausen und Urlaubsansprüche nach geltendem Arbeitsrecht. Die Kraft braucht also feste freie Zeiten am Tag und in der Woche. Das Bundesarbeitsgericht hat 2021 entschieden, dass auch Bereitschaftszeiten mit dem Mindestlohn vergütet werden müssen (Az. 5 AZR 505/20). Planen Sie für die freien Stunden Angehörige, Nachbarn oder eine Tagespflege ein.
Nachts ist die Rechtslage strenger, als viele Familien erwarten. Weil Bereitschaftszeiten mit dem Mindestlohn bezahlt werden müssen, schließen Verträge mit Entsendekräften Nachtarbeit und Einsätze zu nicht vorab festgelegten Zeiten in der Regel aus. Wer das nicht klar regelt, riskiert hohe Nachforderungen: Im Fall vor dem Bundesarbeitsgericht verlangte eine Betreuungskraft Lohn im fünfstelligen Bereich nach. Braucht Ihr Angehöriger nachts Hilfe, sprechen Sie das vor der Vermittlung offen an. Mögliche Lösungen sind ein ambulanter Nachtdienst, eine zweite Betreuungsperson oder ein anderes Vertragsmodell.
Die Betreuungskraft lebt mit im Haushalt. Deshalb braucht sie ein eigenes, möbliertes Zimmer mit Fenster und Heizung, Zugang zu Bad und Küche sowie WLAN für den Kontakt zur Familie. Kost und Logis sind für sie frei. Ein Pflegegrad ist keine Pflicht, er erleichtert aber die Finanzierung. Die monatlichen Kosten hängen vom Betreuungsaufwand und von den Sprachkenntnissen der Kraft ab, Pflegegeld und weitere Leistungen der Pflegekasse senken den Eigenanteil. Beispiele und Zahlen finden Sie auf der Seite Kosten der 24-Stunden-Pflege.
Ja, wenn das Beschäftigungsmodell stimmt. Legale 24-Stunden-Pflege heißt: schriftlicher Vertrag, Sozialversicherung und Einhaltung des Mindestlohns. Illegal ist Schwarzarbeit ohne diese Grundlagen. In Deutschland gibt es drei legale Modelle:
Die Kraft ist bei einer Firma in ihrem Heimatland angestellt und wird nach Deutschland entsandt. Die A1-Bescheinigung belegt, dass sie im Heimatland sozialversichert ist. Lassen Sie sich eine Kopie vor Betreuungsbeginn zeigen.
Die Kraft arbeitet mit eigenem Gewerbe. Hier droht Scheinselbstständigkeit, wenn sie nur für eine Familie arbeitet und an feste Weisungen gebunden ist.
Die Familie stellt die Kraft selbst an und übernimmt Anmeldung, Lohnabrechnung und Sozialabgaben.
Weitere Details finden Sie unter Rechtsfragen zur häuslichen Ganztagspflege.
Für die häusliche Betreuung spricht, dass der Mensch in seiner gewohnten Umgebung bleibt, eine feste Bezugsperson hat und Besuch jederzeit willkommen ist. Gerade bei Demenz gibt die vertraute Wohnung Halt. Angehörige werden spürbar entlastet.
Dagegen stehen der regelmäßige Wechsel der Betreuungskräfte, mögliche Sprachbarrieren und weniger Privatsphäre im eigenen Haus. Bei sehr hohem medizinischem Bedarf oder wenn nachts ständig zwei Personen gebraucht werden, stößt das Modell an Grenzen.
Unsere Empfehlung: Die Betreuung zu Hause passt gut, wenn jemand tagsüber Hilfe und Gesellschaft braucht, nachts in der Regel durchschläft und ein Zimmer frei ist. Medizinische Versorgung sollte dann ein Pflegedienst ergänzen.
Wie Pflegewunder Betreuungskräfte auswählt, lesen Sie auf der Seite zur Vermittlung von 24-Stunden-Pflegekräften.